Datum: 27. Juni 2026 um 14:25 Uhr
Alarmierungsart: DME, GroupAlarm, Sirene
Einsatzart: Brandeinsatz B4
Einsatzort: Lohrer Wald Rotenfels
Einsatzleiter: BKI LK Bad Kreuznach
Einheiten und Fahrzeuge:
- Einsatzgruppe DLZ: Einsatzgruppe DLZ mit MTF
- Feuerwehr Allenfeld: FW Allenfeld TSF
- Feuerwehr Bockenau: FW Bockenau HLF 10, FW Bockenau MTF, FW Bockenau TLF 24/50
- Feuerwehr Boos: FW Boos KLF, FW Boos MTF
- Feuerwehr Duchroth: FW Duchroth KTLF, FW Duchroth MTF
- Feuerwehr Gutenberg: FW Gutenberg MTF, FW Gutenberg TSF-W
- Feuerwehr Hargesheim-Roxheim: FW Hargesheim-Roxheim KTLF, FW Hargesheim-Roxheim LF 20 KatS, FW Hargesheim-Roxheim MTF
- Feuerwehr Hüffelsheim: FW Hüffelsheim MTF, FW Hüffelsheim TSF-W
- Feuerwehr Mandel: FW Mandel MTF, FW Mandel TSF
- Feuerwehr Niederhausen: FW Niederhausen MZF 1, FW Niederhausen TSF-W
- Feuerwehr Norheim: FW Norheim MLF, FW Norheim MTF, FW Norheim TSF
- Feuerwehr Oberhausen a.d. Nahe: FW Oberhausen KLF, FW Oberhausen MTF
- Feuerwehr Rüdesheim: FW Rüdesheim HLF 10, FW Rüdesheim MTF 1, FW Rüdesheim MZF 3, FW Rüdesheim RW 1, FW Rüdesheim TLF 20/40 SL
- Feuerwehr Schloßböckelheim: FW Schloßböckelheim TSF
- Feuerwehr Spabrücken-Hergenfeld: FW Spabrücken MZF 3-TH
- Feuerwehr Sponheim: FW Sponheim KLF
- Feuerwehr Traisen: FW Traisen MTF, FW Traisen TSF-W
- Feuerwehr Waldböckelheim: Drohnenstaffel VG Rüdesheim, FW Waldböckelheim HLF 10, FW Waldböckelheim MTF
- Feuerwehr Weinsheim: FW Weinsheim MTF, FW Weinsheim TSF-W
- Feuerwehr Winterbach: FW Winterbach ErkFzg
- FEZ Rüdesheim
- Führungsstaffel VG Rüdesheim: FüSt VG Rüdesheim ELW 1
- Gefahrstoffstaffel VG Rüdesheim: GSS VG Rüdesheim GW-Mess
- Wehrleitung VG Rüdesheim: FW VG Rüdesheim 90-1, FW VG Rüdesheim 90-3
Einsatzbericht:
Am Samstagnachmittag, den 27. Juni 2026, wurden die Feuerwehreinheit Rüdesheim und der Löschbezirk Nord der Freiw. Feuerwehr Bad Kreuznach um 14:25 Uhr mit dem Alarmstichwort B1.05 zu einer schwarzen Rauchentwicklung im Lohrer Wald alarmiert. Nur wenige Sekunden später alarmierte die Leitstelle Mainz die Feuerwehren Hüffelsheim, Traisen und Waldböckelheim sowie die Tanklöschfahrzeuge aus Bockenau und Rüdesheim, das geländegängige MZF 1 mit Waldbrandmodul der Feuerwehr Niederhausen, die Wehrleitung, den Führungsdienst und die Drohnenstaffel mit dem Stichwort B2.02 zu einem Waldbrand auf dem Rotenfels.
Bereits beim Ausrücken konnte der Fahrzeugführer des Rüdesheimer HLF 10 den Brand bestätigen, eine weithin sichtbare, teils schwarze Rauchwolke stieg aus dem Wald in der Nähe des Fernmeldeturms Bad Kreuznach aus dem Wald empor. Die Lokalisierung und Anfahrt zur Brandstelle gestalteten sich schwierig. Die Feuerwehreinheit Hüffelsheim erreichte die Einsatzstelle mit ihrem TSF-W zuerst und konnte offenes Feuer im Wald feststellen. Die Brandentwicklung war aufgrund der topografischen Lage und der hohen Temperaturen von nahezu 40 Grad Celsius sehr dynamisch. Wehrleiter Christian Vollmer übernahm die Einsatzleitung und bildete zwei Einsatzabschnitte zur Brandbekämpfung. Das teilweise steile, schwer zugängliche Gelände forderte die Einsatzkräfte von Beginn an massiv, ein regelmäßiger Kräfteaustausch und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme waren unabdingbar. Die Brandbekämpfung erfolgte überwiegend mit D-Schläuchen und den beiden Waldbrandmodulen der MZF 1 Niederhausen und Winterbach.
Im Verlauf der ersten Einsatzphase erfolgten Nachalarmierungen, unter anderem weiterer wasserführender Fahrzeuge aus dem Landkreis Bad Kreuznach zum Aufbau eines Pendelverkehrs, Manpower aus der VG Rüdesheim, der Schnelleinsatzgruppen Betreuung und Verpflegung und des Forstamtes. Die Löschmaßnahmen zeigten trotz der widrigen Umstände Wirkung. Die Löscharbeiten wurden zudem durch einen Polizeihubschrauber der Polizei Rheinland-Pfalz mit einem 800 Liter Außenlastbehälter unterstützt. Die Befüllung des so genannten Bambi Bucket erfolgte am Stausee in Niederhausen. Gegen 16:30 Uhr ging die Einsatzleitung davon aus, dass der Einsatz in rund drei Stunden beendet werden kann. Mittlerweile wurde die Alarmstufe auf B3 erhöht. Bereits zu diesem Zeitpunkt war Bürgermeister Markus Lüttger vor Ort und machte sich ein Bild von der Lage.
Im Verlauf der Löscharbeiten kam es dann zu wiederholten Knallgeräuschen aus dem Unterholz. Nach Rücksprache mit der Polizei und Kontaktaufnahme mit dem Kampfmittelräumdienst (KMRD) erfolgte ein sofortiger Rückzug aller Einsatzkräfte aus dem Einsatzgebiet: Das betroffene Areal ist als ehemaliges Kampfmittelgebiet aus dem Zweiten Weltkrieg eingestuft. Aufgrund akuter Explosionsgefahr durch im Boden befindliche Munition musste die direkte, personelle Brandbekämpfung im Kerngebiet sofort eingestellt werden und das bislang im Einsatz befindliche Material zurückgelassen werden. Der KMRD legte aus Sicherheitsgründen einen 1.000-Meter-Sperrradius fest. Die Einsatzkräfte verlagerten ihren Standort auf den Parkplatz am Sportplatz Hüffelsheim. Mit dem 1.000 Meter-Sperrradius ging schließlich am Abend die weitgehende Evakuierung der Ortslage Traisen einher. Die Alarmstufe wurde auf B4 erhöht, ein Novum für den Landkreis Bad Kreuznach: Noch nie gab es einen Einsatz der Stufe 4. Um 19:45 Uhr ging die Einsatzleitung von Wehrleiter Christian Vollmer an den Landkreis, sprich an BKI Alexander Roßkopf und Landrätin Bettina Dickes über.
Im Feuerwehrgerätehaus Hüffelsheim wurde die Technische Einsatzleitung eingerichtet, die die weitere Koordination des Einsatzes übernahm. In den folgenden Stunden und Tagen rückten aus ganz Rheinland-Pfalz, aus Hanau und Groß-Gerau in Hessen und aus dem Landkreis Vechta in Nordrhein-Westfalen Feuerwehrkräfte zur Unterstützung an, darunter auch acht landeseigene Waldbrand-TLF auf Unimog. Mehrere THW-Ortsverbände, private Forstunternehmen und die Wasserversorger unterstützten die Einsatzmaßnahmen ebenfalls. Am Sonntag erfolgte um die Mittagszeit die komplette Evakuierung von Traisen, 650 Einwohner mussten ihre Häuser bis auf weiteres verlassen. Bei der Evakuierung unterstützten unsere Feuerwehren. In enger Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutz wurde die Birkenberghalle in Roxheim als Notunterkunft und Betreuungsstelle eingerichtet. Für die Betreuung und Verpflegung sorgten die Schnelleinsatzgruppen. Großräumige Straßensperrungen (u.a. L236 zwischen Rüdesheim und Norheim sowie die K80) wurden eingerichtet, um ein reibungsloses An- und Abrücken der Feuerwehrfahrzeuge zu gewährleisten.
Da ein Betreten der vom Brand betroffenen Waldflächen aufgrund der Munitionsgefahr unmöglich war, verlagerte sich die Taktik auf das Halten von Verteidigungslinien. Mittels Riegelstellungen mit Kreisregnern und gerodeten Brandschneisen wurde ein unkontrolliertes Ausbreiten des Waldbrandes verhindert. Löschroboter aus dem Landkreis Vechta rückten am Montag und Dienstag ferngesteuert in die Gefahrenbereiche vor und leisteten gute Löscherfolge. Spezialkräfte von @fire führten handgeführte Löschmaßnahmen in freigegebenen Gebieten durch.
Unsere Feuerwehren bauten unter anderem Wasserförderleitungen vom Ellerbach in Rüdesheim und von der Blutbank in Bad Kreuznach zum Rotenfels auf, in Niederhausen wurde eine Wasserentnahmestelle aus dem Stausee zur Betankung der Tanklöschfahrzeuge betrieben und die Tanklöschfahrzeuge Rüdesheim und Bockenau waren weiterhin am Pendelverkehr beteiligt. Zahlreiche Führungskräfte aus der VG Rüdesheim leiteten während des gesamten Einsatzverlaufs diverse Abschnitte, die Führungsstaffel und die Drohnenstaffel arbeiteten als Abschnittsführungsstelle und halfen bei der Erkundung von Glutnestern aus der Luft, die Drohne war mehr als 40 Flugstunden in der Luft. Wehrleiter Christian Vollmer und sein Stellvertreter Jörn Trautmann waren umfassend an der Einsatzplanung beteiligt und standen in engem Kontakt zur Einsatzleitung, die im Verlauf des Sonntagabends auf das Gelände der VG-Verwaltung nach Rüdesheim verlegt wurde. Unter anderem galt es, eine Pressekonferenz am Sonntagnachmittag und den späteren, aufwendigen Rückbau der Einsatzstelle zu planen.
Am Abend des 1. Juli 2026 konnte die Alarmstufe auf B3 zurückgestuft werden, die Feuerwehr Bad Kreuznach übernahm die Einsatzleitung, weil der überwiegende Teil der Brandfläche auf Bad Kreuznacher Gemarkung lag. Am Abend des 3. Juli 2026 konnte die Feuerwehr Bad Kreuznach „Feuer aus“ melden und die Einsatzstelle an das zuständige Forstamt übergeben. Zum Schutz von Schaulustigen und wegen der verbleibenden Gefahren im abgebrannten Waldgelände hat die Verbandsgemeinde Rüdesheim eine Allgemeinverfügung zur Sperrung des betroffenen Waldgebietes erlassen.
Bereits Anfang der Woche wurde die Ersatzbeschaffung vernichteter Ausrüstungsgegenstände, darunter die beiden Schnellangriffsleitungen des Niederhäuser Waldbrandmoduls und zahlreicher Schläuche, in Auftrag gegeben. Die Fahrzeuge der eingesetzten Wehren sind mittlerweile wieder einsatzbereit. Alle eingesetzten Tragkraftspritzen wurden einer Inspektion unterzogen.
Fazit: Dieser Einsatz war in seiner Kombination aus extremem Gelände, sommerlicher Hitze und der massiven Kampfmittelbelastung eine der komplexesten Herausforderungen der letzten Jahre für die Feuerwehren der VG Rüdesheim. Wie wichtig eine gut aufgestellte Feuerwehr und eine damit einhergehende Einsatzplanung ist, stellte sich bei mehreren Paralleleinätzen im Verbandsgemeindegebiet unter Beweis. Ein brennender Traktor mit Heuballenpresse bei Spabrücken kurz nach der Alarmierung zum Waldbrand am Samstagnachmittag, ein Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten auf der L236 bei Hargesheim und ein rund sieben Hektar großer Flächenbrand bei Bockenau am Sonntagnachmittag und ein Zimmerbrand in Münchwald am Dienstagabend konnten – auch mit Hilfe weiterer Feuerwehren aus dem Bereitstellungsraum – erfolgreich bewältigt werden.
Ein besonderer Dank von Bürgermeister Markus Lüttger und der Wehrleitung um Christian Vollmer gilt den mehreren Hundert zeitweise parallel eingesetzten Kräften aller Hilfsorganisationen sowie Landrätin Bettina Dickes und BKI Alexander Roßkopf und seinen Stellvertretern Holger Schmidt und Christian Kleinschmidt für die reibungslose, organisationsübergreifende Zusammenarbeit, den Mitarbeitern des DLZ Rüdesheim sowie den Bürgern von Traisen für ihre Disziplin und ihr Verständnis während der Evakuierung.
Eine umfassende Berichterstattung erfolgte in den Medien, anbei die Links zu den Medien.
https://www.rhein-zeitung.de/lokales/oeffentlicher-anzeiger
https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/kreis-bad-kreuznach
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/index.html
Text: Rouven Ginz
Bild-/Videoquelle: Feuerwehren der VG Rüdesheim



















































